Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die vor allem die Speichel- und Tränendrüsen betrifft. Sie führt zu einer verminderten Produktion von Speichel und Tränenflüssigkeit und verursacht dadurch Symptome wie Mundtrockenheit und trockene Augen. Obwohl die Erkrankung relativ häufig ist – Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 200.000 Menschen betroffen – wird sie oft erst spät erkannt, da die Beschwerden unspezifisch sind und sich langsam entwickeln.
1. Ursachen und Entstehung
Beim Sjögren-Syndrom greift das Immunsystem fälschlicherweise die körpereigenen Drüsen an. Diese Entzündungsreaktion zerstört nach und nach das Drüsengewebe, sodass weniger Speichel und Tränen produziert werden. Warum das Immunsystem so reagiert, ist noch nicht vollständig geklärt. Experten gehen von einer Kombination aus genetischen Faktoren, hormonellen Einflüssen und Umweltfaktoren wie Infektionen aus. Frauen sind etwa neunmal häufiger betroffen als Männer, besonders im Alter zwischen 40 und 60 Jahren.
2. Typische Symptome
Die Hauptsymptome sind:
- Mundtrockenheit (Xerostomie): Betroffene haben Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken oder Sprechen. Häufig treten auch Karies, Zahnfleischentzündungen und Pilzinfektionen auf, da Speichel als natürlicher Schutz fehlt.
- Trockene Augen: Ein brennendes, kratziges Gefühl, Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen sind typisch.
- Weitere Beschwerden: Neben den Schleimhäuten können auch Haut, Nase und Genitalbereich betroffen sein. Viele Patienten leiden zusätzlich an chronischer Müdigkeit, Gelenkschmerzen und gelegentlich an Schwellungen der Speicheldrüsen.
Das Sjögren-Syndrom kann als primäre Form (ohne Begleiterkrankungen) oder als sekundäre Form auftreten, die oft in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus vorkommt.
3. Diagnose
Die Diagnose ist oft schwierig, da die Symptome unspezifisch sind und leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden. Neben einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung kommen spezielle Tests zum Einsatz:
- Blutuntersuchungen: Antikörper wie Anti-SSA/Ro und Anti-SSB/La sind typisch.
- Messung der Speichelproduktion und Augentests (z. B. Schirmer-Test zur Tränenproduktion).
- Biopsie der Speicheldrüsen, um entzündliche Veränderungen nachzuweisen.
Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um Folgeschäden zu verhindern und die Lebensqualität zu erhalten.
4. Behandlungsmöglichkeiten
Das Sjögren-Syndrom ist derzeit nicht heilbar, doch die Symptome können gezielt behandelt werden:
- Befeuchtung der Schleimhäute: Künstliche Tränen, Speichelersatzmittel und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr sind zentral.
- Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende Medikamente, wie Hydroxychloroquin, und bei schweren Verläufen auch Immunsuppressiva können zum Einsatz kommen.
- Zahnpflege: Da das Kariesrisiko erhöht ist, sind regelmäßige Zahnarztbesuche und eine intensive Mundhygiene unverzichtbar.
- Linderung von Gelenkbeschwerden: Leichte Schmerzmittel oder entzündungshemmende Präparate können helfen.
- Lebensstilmaßnahmen: Ausreichendes Trinken, zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons (zur Anregung des Speichelflusses) und das Vermeiden von Alkohol oder Nikotin unterstützen die Behandlung.
5. Leben mit dem Sjögren-Syndrom
Das Leben mit Sjögren-Syndrom erfordert Geduld und ein gutes Selbstmanagement. Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Symptome jedoch deutlich lindern. Wichtig ist, Warnzeichen für mögliche Komplikationen wie Augeninfektionen oder Schäden an inneren Organen ernst zu nehmen. Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können zusätzlich helfen, mit der Erkrankung umzugehen.
Fazit
Das Sjögren-Syndrom ist eine komplexe Autoimmunerkrankung, die weit über trockene Augen und einen trockenen Mund hinausgeht. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell angepasste Therapie sind entscheidend, um Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen zu verhindern. Auch wenn es keine Heilung gibt, können Betroffene mit geeigneten Maßnahmen eine gute Lebensqualität erreichen und den Alltag weitgehend beschwerdefrei gestalten.