Psychische Erkrankungen & Mundtrockenheit

Psychische Erkrankungen & Mundtrockenheit

1. Stress und Angst als Auslöser

Angstzustände und chronischer Stress zählen zu den häufigsten psychischen Belastungen, die eine Mundtrockenheit hervorrufen können. In Stresssituationen produziert der Körper vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol. Diese hemmen die Speichelproduktion, weil der Körper in Alarmbereitschaft auf „Kampf oder Flucht“ programmiert wird und weniger Ressourcen für Verdauungs- und Regenerationsprozesse bereitstellt. Menschen mit Angststörungen berichten daher oft über einen trockenen Mund, besonders in akuten Angstsituationen oder Panikattacken.

2. Depression und ihre Folgen

Auch bei Depressionen tritt Mundtrockenheit häufig auf. Dies hängt sowohl mit der Erkrankung selbst als auch mit dem veränderten Lebensstil vieler Betroffener zusammen. Menschen mit Depressionen trinken oft weniger, vernachlässigen ihre Mundhygiene und ernähren sich unausgewogen – alles Faktoren, die zu einer Austrocknung der Schleimhäute führen können. Zusätzlich verstärken Gefühle von Antriebslosigkeit und Traurigkeit die Bereitschaft, auf einfache Maßnahmen wie ausreichendes Trinken zu verzichten.

3. Medikamente als Ursache

Ein wesentlicher Faktor im Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Mundtrockenheit ist die Einnahme von Psychopharmaka. Viele Antidepressiva, Antipsychotika und Beruhigungsmittel wirken auf das zentrale Nervensystem und beeinflussen dabei auch die Tätigkeit der Speicheldrüsen. Besonders Medikamente aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva sowie moderne Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind dafür bekannt, Mundtrockenheit auszulösen. Da diese Medikamente meist langfristig eingenommen werden müssen, sind die Beschwerden bei den Betroffenen oft chronisch.

4. Körperliche Folgen der Mundtrockenheit

Ein dauerhaft trockener Mund ist nicht nur unangenehm, sondern auch gesundheitlich riskant. Speichel hat wichtige Aufgaben: Er schützt die Zähne vor Karies, unterstützt die Verdauung, neutralisiert Säuren und wirkt antibakteriell. Bei Speichelmangel steigt das Risiko für Karies, Zahnfleischentzündungen und Pilzinfektionen im Mund deutlich an. Hinzu kommen Schluckbeschwerden, ein verändertes Geschmacksempfinden sowie Schwierigkeiten beim Sprechen, die wiederum das soziale Leben der Betroffenen beeinträchtigen können.

5. Psychische Belastung durch die Beschwerden

Die Mundtrockenheit selbst kann die psychische Verfassung zusätzlich verschlechtern. Dauerhafte Beschwerden führen oft zu Frustration, Schlafstörungen und einem verminderten Selbstwertgefühl, besonders wenn Mundgeruch oder Sprachprobleme hinzukommen. So entsteht ein Teufelskreis, in dem die psychische Erkrankung die Mundtrockenheit verstärkt und diese wiederum die psychische Belastung erhöht.

6. Mögliche Hilfsmaßnahmen

Betroffene müssen nicht tatenlos leiden. Einige wirksame Strategien sind:

  • Ausreichend Flüssigkeit zuführen, idealerweise in Form von Wasser oder ungesüßtem Tee.
  • Zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons regen die Speichelproduktion an.
  • Spezielle Speichelersatzmittel oder Gele aus der Apotheke können Linderung verschaffen.
  • Regelmäßige Mundhygiene schützt vor Folgeschäden.
  • Gespräch mit dem behandelnden Arzt, um die Medikation zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Atemübungen oder Meditation können helfen, stressbedingte Mundtrockenheit zu verringern.

Fazit

Der Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Mundtrockenheit ist vielschichtig. Angst, Stress, Depressionen und insbesondere die Einnahme von Psychopharmaka zählen zu den Hauptursachen. Die Beschwerden sind nicht nur unangenehm, sondern können auch körperliche und soziale Folgen haben. Umso wichtiger ist es, das Thema ernst zu nehmen und gemeinsam mit Ärzten und Therapeuten individuelle Lösungen zu finden. Mit gezielten Maßnahmen lässt sich die Mundtrockenheit lindern – und damit auch die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern.

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