Wer an einer schweren Herzschwäche (Herzinsuffizienz) leidet, kennt nicht nur die körperliche Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit, sondern oft auch ein anderes, quälendes Symptom: starken Durst in Verbindung mit Mundtrockenheit. Für viele Patienten kommt diese Belastung überraschend – so auch für Patrik Kalkuhl, einen 50-jährigen ehemaligen Tischler aus Ennepetal. Er wartet im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) auf ein Spenderherz und darf pro Tag nur etwa 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen, inklusive wasserhaltiger Lebensmittel wie Obst oder Gemüse. Die strikte Begrenzung soll verhindern, dass sich zu viel Flüssigkeit im Körper ansammelt und Herz und Lunge zusätzlich belastet.
Durst als tägliche Herausforderung
„Durst ist ein klassisches Thema der Pflege, wird aber bislang zu wenig erforscht“, erklärt Franziska Wefer, Pflegewissenschaftlerin am HDZ NRW. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg leitet sie die erste deutschlandweite Studie über den Zusammenhang von Durst und Mundtrockenheit bei chronischer Herzschwäche (Par_cHeD). Sieben renommierte Kliniken nehmen daran teil, um Daten von über 800 Patienten zu sammeln. Ziel ist es, die Ursachen, Einflussfaktoren und zeitlichen Muster des Durstempfindens besser zu verstehen – und daraus praxisnahe Empfehlungen zu entwickeln.
Bekannt ist schon jetzt: Mehr als die Hälfte aller Herzinsuffizienz-Patienten empfindet Durst als starke Belastung. Entwässernde Medikamente (Diuretika), die überschüssiges Wasser aus dem Körper leiten, können dieses Gefühl sogar noch verstärken. Alter, Geschlecht und Tageszeit spielen offenbar ebenfalls eine Rolle.
Tipps aus der Praxis
Patrik Kalkuhl hat in der Klinik wertvolle Strategien gelernt, um mit seinem Durst und der Mundtrockenheit besser umzugehen. Dazu zählen:
- Heiße Getränke in kleinen Schlucken trinken, um das Durstgefühl zu dämpfen.
- Eiswürfel lutschen, um den Mund zu befeuchten.
- Saure Bonbons nutzen, um den Speichelfluss anzuregen – besonders an warmen Tagen.
- Befeuchtungssprays mit erfrischendem Zitronengeschmack, die den Mund kurzfristig angenehm feucht halten.
Warum Mundtrockenheit ein Problem ist
Mundtrockenheit bei Herzschwäche entsteht häufig durch die Kombination aus Flüssigkeitsrestriktion, Medikamentenwirkungen und reduzierter Speichelproduktion. Sie kann nicht nur unangenehm sein, sondern auch das Kauen, Schlucken und Sprechen erschweren, den Geschmackssinn verändern und das Risiko für Karies und Infektionen erhöhen.
Fazit
Durst und Mundtrockenheit sind für viele Herzinsuffizienz-Patienten mehr als nur lästig – sie beeinflussen das tägliche Wohlbefinden erheblich. Forschungsvorhaben wie Par_cHeD sind entscheidend, um Betroffenen langfristig gezieltere Hilfe zu bieten. Bis dahin können einfache Hilfsmittel wie Eiswürfel, saure Bonbons oder Mundsprays den Alltag spürbar erleichtern.